So gern mag ich Prüfungen

Eine Prüfungssituation. Ungeschönt und schweissüberströmt.

Schmatzendes Kaugummikauen, klickendes Tastaturklappern und der Geruch von kaltem Kaffee in der Luft. Der Raum ist hell. Irgendwie zu hell. Das Licht ist kalt und schneidend, durchbricht den Raum in tausende kleine Fragmente. Die Luft ist feucht. Feucht vom Atmen, feucht vom Herbstregen, feucht vom Schweiss der Studenten. Mein Blick schweift an etlichen grauen Tischen vorbei, streicht an silbernen Tischbeinen entlang und gleitet über den gepunkteten, samtigen Spannteppich.
Am Boden liegt eine Steckleiste. Glänzend schwarz liegt sie auf ihrer Seite, wie ein erlegtes Tier. Computerkabel ragen aus ihrem Leib, verteilen sich durch den Raum und speisen ein Dutzend nimmersatter Glimmerkästen. Kaltes, blaues Licht erleuchtet die Gesichter der Studenten, lässt ihre Gesichter matt und irgendwie krank ausstehen. Das Licht zeichnet ihnen seltsame Schatten unter die Augen. Kriecht in Falten, die es gar noch nicht gibt und lässt die Haut alt und kalt wirken. Sie sehen alle irgendwie gleich aus. Mein Computer strahlt in mein Gesicht. Das weisse, elektronische Blatt Papier vor mir, starrt mich an. Es starrt aus seinem silbernen Viereck, schaut mir vorwürfig in die Augen und schreit: „Schreib“.
Ich beachte es nicht.

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