Allein ins Ungewisse – eine Sendung übers alleine Reisen als Frau

Vier Frauen. Vier Generationen. Vier Länder. Vier Abenteurer.

Die Wintermonate sind hart. Oft schüttelt mich das Fernweh im November und Dezember am stärksten. Und wer keine Ferien nehmen kann, der reist in Gedanken. Diese Sendung nimmt dich mit in die Ferne, an unbekannte Orte und in andere Zeiten. Eine Stunde, die den kleinen und großen Abenteuern gehört. Im Zentrum steht dabei das alleine Reisen als Frau. Die Schriftstellerin und Sinologin Alice Grünfelder (55) entführt dich in die weiten Ebenen Chinas, Marie-Louise Girard (91) berichtet über ihre Arbeit im Nachkriegsengland, Anna Suter (33) erzählt von einer Familie, die ihr in der Transsibirischen Eisenbahn ein Huhn anbot und Melina Koller (21) träumt sich mit dir zurück auf ihr Motorrad in Vietnam.
Achtung: Beim hören kann eine Prise Fernweh aufkommen.

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Alice Grünfelder (55) verliebte sich schon früh in den asiatischen Kontinent. Bereits bei der Abschlussprüfung ihrer Buchhändlerlehre wählte sie den Schwerpunkt „japanische Literatur“. Kurz nach dem Abitur, mit knapp 22 Jahren, entschied sie sich, alleine nach Asien zu reisen.
Ihre Reise führte sie durch den Norden von Indien, durch Tibet und die weiten Ebenen von China. Dabei las ihr eine Frau mit geblümtem Kopftuch die Zukunft aus der Hand, sie fing sich in einem Dorf eine schwere Axtstichwunde und lernte von einem alten Meister traditionelles Yoga. Ihre Erlebnisse flossen auch in ihren Debutroman „die Wüstengängerin“ ein.

Marie-Louise Girard (91) wuchs während dem zweiten Weltkrieg in der Schweiz auf. Ins Ausland konnte sie nicht, denn die Grenzen waren zu und die Schweiz eine Insel inmitten eines zerrütteten Europas. Als der Krieg endete öffnete England seine Grenzen und gab jungen Schweizerinnen die Möglichkeit, als „Mothershelp“ in englischen Familien mithelfen zu können. So packte Marie-Louise Girard kurz nach dem Seminar ihren großen Überseekoffer und reiste nach Newcastle. Es war eine Zeit, die für sie nicht nur einfach war. Auch heute, Jahrzehnte nach ihrem Englandaufenthalt, ist ihr das Englische noch präsent. Rückblickend sagt sie: „Obwohl es eine schwere Zeit war, würde ich noch einmal gehen“.

Anna Suter (33) ging nach der Matur nach Kirgisistan und half dort, eine Schule für Kinder mit einer geistigen Behinderung aufzubauen. Die Zeit in Kirgisistan weckte ihre Liebe zur russischen Sprache und zur Region. Vor sieben Jahren entschloss sie sich, das grösste Land der Welt genauer zu erkunden. Mit der Transsibirischen Eisenbahn reiste Anna Suter von Wladiwostok nach St. Petersburg: Eine Reise quer durch Russland, von ganz östlich nach ganz westlich. Die Reise führte sie durch die weiten Ebenen der Tundra und durch endlose Birkenwälder. Dabei wurde ihr im Zug ein ganzes Huhn angeboten, sie entwickelte ein Bauchgefühl und merkte, dass das Russland, welches wir hier vermeintlich zu kennen wissen, nichts mit der Realität zu tun hat.

Melina Koller (21) schloss die Matur am Gymnasium Leonhard ab und wollte danach nur noch weg. Ihre große Reise führte sie zuerst nach Australien. Dort lernte sie einen Zürcher kennen, der ihr riet ein Motorrad zu kaufen und damit durch Vietnam zu reisen. Kurz entschlossen änderte Melina Koller ihre Reisepläne und flog nach Vietnam. Auf ihrer Reise quer durch Vietnam lernte sie, dass sie auch gern allein unterwegs ist, dass sie abenteuerlustiger ist, als sie gedacht hatte und dass man mit sehr wenig wunderbar leben kann. Sie fand eine gute Freundin, kam aus einer verzwickten Motorradpanne dank der Hilfe eines Bauern wieder heraus und schrieb ihre Erlebnisse in ein dickes Notizbuch.

 

Portraits: von den Interviewpartnerinnen zur Verfügung gestellt

Foto: Hanna Girard

Ausgestrahlt auf Radio X

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